Geschichte - Třešť

Erste Erwähnungen der Ortschaft Třešť gehen zurück bis auf das Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts, als sich am Bach Třeštice zwei bedeutende Handelswege kreuzten: der Weg Lovětínská, der in Třebíč begann und über Horní Cerekov nach Böhmen führte, und der Weg Humpolecká, der hinter Telč in Slavonie endete. Die Ortschaft Třešť wurde bald zum Handelszentrum der Gegend.

Der Eintrag in den Landtafeln stammt aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts und spricht von einer Festung, die Záviš von Třešť und Štěpán von Březnice gehörte. Seit dem Jahr 1358 wirtschaftete auf dieser Festung, die nach und nach in ein Schloss umgebaut wurde, in kürzeren oder längeren Intervallen der Adel. Den Anfang machten der Markgraf Jan und das Geschlecht Šternberk.

Im Jahre 1490 kaufte dann Václav Vencelík von Vrchoviště von Zdeněk Šternberk von Šternberk das Städtchen Třešť mit Festung und Meierhof ebenso wie die Dörfer Jezdovice und Buková für seinen Sohn Matěj Vencelík von Vrchoviště.

Die Meldungen vom Geschlecht der Freiherren von Vrchoviště, die mit dem Geschlecht der Herren Smíšek verwandt waren, mit denen sie ein auch ein ähnliches Wappenzeichen hatten - ein weißes Einhorn in einem blauen Feld ? stammen aus der Zeit der letzten Přemyslident. Aufgrund des Silbers kamen sie in die Berge Hory Kutné und wurden hier bald zu Pergmeistern - zu Direktoren eigener kleinerer Gruben. Als reich gewordener Unternehmungslustiger aus den Bergen Hory Kutné kaufte sich Václav Vencelík von Vrchoviště - ein Bekenner des hussitischen utraquistischen Glaubens - im Jahre 1485 Burg Žirovnice und zog dort mit der ganzen Familie ein. Den Beinamen Vencelík fügte er seinem Namen bei, denn so wurde er laut dem Namen Václav (Wenzel) benannt. Im Jahre 1492 erhielt Václav Vencelík von Vrchoviště von Kaiser Friedrich III. zum Wappenzeichen für sein Geschlecht der Herren von Vrchoviště den adeligen Rang.

Er starb im Jahre 1515 in Třešť, wurde jedoch in Žirovnice beigesetzt. Das Schloss in Třešť als Adelsresidenz entwickelte sich seit dem Jahre 1513, als der untere Schlosstrakt im gotischen Stil sowie die erste Etage dann im Renaissancestil und der Wohnteil im Stil des Barocks errichtet wurden. Interessant war der hölzerne Steg, der das Schloss mit der St.-Martinskirche verband. Dieser Steg ist nicht erhalten geblieben. Die St.-Martinskirche ist jedoch vom Schloss aus zu sehen und kann auch besucht werden.

Der Umbau des Schlosses, an dem sich italienische Baumeister beteiligten, wurde vom damaligen Besitzer Kryštof Vencelík von Vrchoviště im Jahre 1564 fertig gestellt. Das Schloss bekam die Gestalt eines vierflügeligen Gebäudes mit Ecktürmchen und Arkaden im Hof, die Mauern des Hofes waren mit Sgraffitorustika verziert. Kryštof Vencelík von Vrchoviště wurde in der St.-Martinskirche bestattet, wo sich auch sein Grabstein aus dem Jahre 1582 befindet.

Die Herren Vencelík von Vrchoviště waren vom Jahre 1490 bis zum Jahre 1626 die Besitzer von Třešť, als ihr Besitz konfisziert wurde - einerseits wegen der Angehörigkeit zum utraquistischen Glauben, andererseits wegen der Kinderlosigkeit des letzten Besitzers der Herrschaft, der unter anderem an der Schlacht am Weißen Berge teilgenommen hatte.

Unter dem Wirken der Herren Vencelík von Vrchoviště kam es zu einer bedeutenden Entfaltung von Třešť, auf dem Platz wurde die lutherische Kirche der hl. Katharina von Siena, das Rathaus und der Gemeindebrunnen errichtet und es entstand die Bierbrauerei. Im Städtchen befand sich auch eine jüdische Gemeinde mit Synagoge. Die Einwohnerschaft befasste sich vor allem mit der Tuchmacherei und mit der Holzverarbeitung. Auch Jahrmärkte   fanden hier statt.

Im Jahre 1626 sind die Grafen aus Kernten - die Herren Herberštejn - zu den Besitzern von Třešť geworden.

In den Jahren 1657 - 1669 siedelten hier die Herren Gayer von Edelbach an. Während ihrer Herrschaft kam es im Jahre 1660 zum Umbau der ersten Etage, der Zimmer mit Stuckaturen und Malereien und zum Umbau des Hauptportals des Schlosseingangs. Es wurden unter anderem der Hauptturm in der Schlossfassade und die beiden Kamine im heutigen Restaurant und im Beiraum des Kongresssaals errichtet. Ebenso aus dem 17. Jahrhundert stammen die ursprünglichen Kachelöfen in den kleinen Salons und im Schlossspeisesaal. Aus dieser Zeit stammen weiter die beiden manieristischen Statuen, die auf den Säulen am Eingangstor platziert sind, die beiden auf den Säulen am Eingang in den Schlossgarten platzierten Vasen sowie der Springbrunnen vor dem Haupteingang des Schlosses. Im Jahre 1669 wurde die Herrschaft erneut von den Grafen Herberštejn erstanden. Vom Jahre 1831 bis 1844 war die Verwaltung der Herrschaft nur von Beamtencharakter.

Der englische Park stammt offenbar aus den Jahren 1835 - 1845, da sich auf der sich im Besitz des Museums in Třešť befindlichen Abbildung des Städtchens aus der Zeit vor dem großen Brand im Jahre 1824, als 180 Häuser wie auch die Kirche der hl. Katharina von Siena mit Turm dem Feuer zum Opfer fielen, an der Stelle des gegenwärtigen Parks nur eine kahle Ebene befindet. In den Jahren 1844 - 1945 waren die Barone Wenzel-Sternbach aus Tirol Besitzer der Herrschaft. Wenzel von Sternbach wurde im Jahre 1864 in den Ritterstand erhoben. Im Jahre 1860 wurde die Nordseite des Schlosses zu Wohnzwecken umgebaut. Die Schlossfassade ist nach Westen orientiert. Třešť wurde im Jahre 1909 zur Stadt erhoben.

Nach dem Jahr 1945 wurde im Schloss das Stadtmuseum eingerichtett.

Seit 1984 ist das Schloss mitsamt dem umliegenden Park (15 ha) Eigentum der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik. Nach zehn Jahren anspruchsvoller Rekonstruktion wurde es im Jahre 1994 als Konferenzzentrum in die Nutzung übergeben.

Das älteste Stadtdenkmal ist die katholische Pfarrkirche des hl. Martins aus dem 13. Jahrhundert. Fertig gestellt wurde sie im Jahre 1593. Sie wurde zweimal umgebaut, im Jahre 1777 und nach dem Brand im Jahre 1824. In der Kirche sind bis in die heutigen Tage gotische Grabsteine, eine steinerne Kanzel und das Renaissancegrabmal von Krištof Vencelík erhalten geblieben.

Die Kathedrale der hl. Katharina von Siena wurde als deutsche lutherische Renaissancekirche errichtet. Das Presbyterium wurde im 18. Jahrhundert im Barockstil umgebaut. Die Innenausstattung stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Die Empire-Synagoge wurde nach dem Brand erbaut, der im Jahre 1824 das jüdische Getto erfasste. Heute dient sie als Bethalle der hussitischen Kirche und die Weihnachtskrippen von Třešťsind hier ausgestellt.

Im historischen Gebäude auf dem T.-G.-Masaryk-Platz befindet sich heute das Museum von Vysočina.

In Třešť ist einer der bedeutendsten Wirtschaftswissen-schaftler des 20. Jahrhunderts, der erste österreichische Finanzminister und Schöpfer des japanischen Wirtschaft-swunders J. A. Schumpeter geboren worden, weiter stammen aus Třešť der ausgezeichnete Renaissance-Astronom und Mathematiker Šimon Partlic sowie der erste in Pilsen residierende Bischof Mons. František Radkovský wie auch der Schauspieler Otto Šimánek. Die Bronzebüste des Schriftstellers Franz Kafka erinnert an seine Aufenthalte in der Stadt in den Jahren 1900 - 1907.

Auf dem Hauptplatz befindet sich die größte funktionstüchtige Sonnenuhr der Tschechischen Republik.